“Ottensen bewegt“

Bürgerschaftswahl 2020-Umfrage – OMP ein zu heißes Eisen? – nur Frau Özdemir antwortet!

Spitzenkandidat der Hamburger SPD ist Bürgermeister Peter Tschentscher. Die Grünen schicken Katharina Fegebank ins Rennen. Die CDU hat mit Marcus Weinberg ihren Kandidaten, die FDP bietet Anna von Treuenfels-Frowein. Und die Linke hat Cansu Özdemir zur Spitzenkandidatin gekürt. Wir haben allen fünf über deren persönliche Websites (oder die entsprechende Parteiseite) folgende E-Mail am 13.1.2020 abgeschickt:

Betreff: Ihre Meinung zu „Ottensen macht Platz“

Sehr geehrter Herr/Frau Nachname,


wir würden – stellvertretend für alle Ottenser und Hamburger – gerne von Ihnen wissen, welche Meinung Sie zu einem von Hamburgs größten Verkehrsprojekten, zu „Ottensen macht Platz“ haben? Ihre Antwort werden wir auf unserer Homepage (www.ottensenbewegt.de) veröffentlichen.

Vielen Dank vorab und beste Grüße
Ihre „Ottensen bewegt“-Initiative

Bis heute (19.1.2020) hat leider nur Cansu Özdemir wie folgt geantwortet:

„Ottensen macht Platz“ ist ebenso wie das „autofreie Rathaus-Quartier“ ein zu begrüßendes Verkehrsprojekt. Beide machen deutlich, dass der motorisierte Autoververkehr aus den Stadtteilen größtenteils verbannt werden, ohne dass es für die Ver- und Entsorgung, den Lieferverkehr oder Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen zu negativen Auswirkungen kommen muss. Die Lebens- und Aufenthaltsqualität steigen. Was nicht steigen darf, sind die Mieten. Deshalb gilt es auch hier, Verkehr und Stadtentwicklung gleichzeitig im Blick zu haben und die (weitere) Verdrängung von Bewohner_innen und Läden zu zu verhindern. Was immer noch fehlt, ist die breite Diskussion und Inangriffnahme des von den Ottenser Gestalten und der LINKEN beantragten Verkehrskonzeptes, das für ganz Ottensen vor allem eine Entlastung vom Durchgangsverkehr vorsieht.

Vielen Dank, Frau Özdemir – und vielleicht kommt ja doch noch etwas von den anderen Spitzenkandidaten?

AKTUELL: Befragung der Gewerbetreibenden
zur autofreien Zone „Ottensen macht Platz“

Liebe Gewerbetreibende,

wir informieren Sie hier über die aktuell stattfindende Befragung der Gewerbetreibenden durch die Technische Universität Hamburg zu der autofreien Zone im Kern von Ottensen namens „Ottensen macht Platz“. Ihre Antworten werden entscheidenden Einfluss darauf haben, ob dieses Pilotprojekt wie ursprünglich geplant Ende Februar beendet oder dauerhaft fortgeführt wird.

Bitte informieren Sie das Bezirksamt (www.ottensenmachtplatz.de) und uns, falls Sie keine Karte erhalten haben sollten!

Infoblatt-Befragung-Gewerbetreibende

Und so sieht der Fragebogen für Gewerbetreibende aus:

20-01-09_OMP_Fragebogen-Gewerbetreibende

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Autofreie Zone ist für Grün/Schwarz offensichtlich beschlossene Sache

Die autofreie Zone in Ottensen unter dem Namen „Ottensen macht Platz“ war ursprünglich als ein Pilotprojekt angelegt, das über 6 Monate vom 1.09.2019 bis zum 29.02.2020 laufen sollte.
Unter Berücksichtigung aller Daten und Erfahrungen dieses gesamten Projektzeitraums sollte anschließend entschieden werden, wie es weitergeht.
Trotz heftiger Kritik an der Art der Umsetzung sowie massiver Sorgen und Nöte von direkt betroffenen Anwohnern und Gewerbetreibenden treiben Grüne und CDU das Projekt unverdrossen voran.

Auf der Veranstaltung für Gewerbetreibende am 4. Dezember im VIVO wurden etliche Kritikpunkte bis hin zu deutlichen Existenzsorgen vorgebracht.
Doch das alles ficht das ausführende Bezirksamt sowie Grüne und CDU nicht an. Einer anwesenden Bürgerin wurde auf der Veranstaltung von einer Mitarbeiterin des Bezirksamts ins Gesicht gesagt, dass die Gewerbetreibenden eben kreativer sein müssten. Man könnte sich als betroffener Betrieb ja auch mit einem anderen zusammentun, z.B. beim Kauf eines Blumenstraußes in dem einen Geschäft könne man ein Hemd umsonst reinigen lassen.

Ein anwesender Grünen-Bezirksabgeordneter stand einfach auf und verließ den Tisch, als er sich mit kritischen Fragen von Gewerbetreibenden konfrontiert sah.
Es muss nicht verwundern, dass sich Betriebe, die jetzt unter erheblichen Umsatzeinbußen leiden, nicht ernst genommen fühlen.

Auf der Sitzung des Hauptausschusses am 12. Dezember wurde mit den Stimmen von Grünen und CDU beschlossen, dass die reguläre Sitzung der Bezirksversammlung vom 27.02.2020 um eine Woche vorgezogen wird und somit am 20.02.2020 stattfindet. Auf dieser Sitzung soll final darüber entschieden werden, ob die autofreie Zone dauerhaft eingerichtet wird oder nicht. Am 23.02.2020 findet die Wahl zur Hamburger Bürgerschaft statt. Dieser zeitliche Ablauf ist kein Zufall, es ist Kalkül.
Insbesondere SPD und FDP haben auf der Sitzung des Hauptausschusses darauf hingewiesen, dass die Evaluation ja noch läuft, dass erst im Januar die Befragung der Gewerbetreibenden stattfinden soll, dass vor einer Entscheidung solcher Tragweite ausreichend Zeit zur Beratung auch innerhalb der Fraktionen gegeben werden sollte. Man könne für einen Zeitraum von z.B. weiteren 4 Monaten die jetzt gesperrten Straßen für den Autoverkehr wieder öffnen und gleichzeitig Anwohnerparken einführen, die Fußwege verbreitern und anderes. Alle diese Argumente wurden vom Tisch gewischt. Und gleichzeitig auch die mögliche Einführung von Anwohnerparken, denn in einer autofreien Zone gibt es auch kein Anwohnerparken.


Im November hat die Befragung der Anwohner durch die TU Hamburg stattgefunden. Uns haben inzwischen etliche Emails erreicht, in denen betroffene Anwohner berichten, keine Karte erhalten zu haben und somit nicht an der Befragung teilnehmen zu können. Während der Sitzung des Hauptausschusses äußerte sich der Bezirksabgeordnete der Linken, Robert Jarowoy genauso: Er ist Anwohner innerhalb der autofreien Zone und hat keine Information über die laufende Umfrage erhalten. Vor diesem Hintergrund muss man fragen, wie valide die Umfrage eigentlich ist.

Der Bezirks-Seniorenbeirat Altona berichtet außerdem von vielen älteren Menschen, die ebenfalls Probleme hatten, an der Online-Umfrage teilzunehmen. Außerdem hätten sich viele an den Seniorenbeirat gewandt, da sie sich jetzt innerhalb des OMP-Gebiets wegen der vielen rücksichtslosen Radfahrer unsicherer fühlen als zuvor. Und besonders erschreckend: Diese zumeist älteren Menschen möchten anonym bleiben, da sie Angst vor Anfeindungen haben, wenn sie sich offen kritisch zu der autofreien Zone äußern!

Wir sagen: Egal, wie man inhaltlich zu Ottensen macht Platz steht: Wenn so massiv in Lebensbereiche von Anwohnern, wenn so massiv in den Geschäftsablauf von Gewerbetreibenden eingegriffen wird, sollten die Bürgerinnen und Bürger direkt mitgenommen, gehört und gefragt werden.

Im Hauptausschuss wurde auch über eine Bürgerwerkstatt am 15.2. abgestimmt. Auf Antrag von Frau Böhlich/Grüne und unterstützt von der neuen Bezirksamtsleiterin v.Berg soll es lediglich eine Informationsveranstaltung werden: also ohne gemeinsame Diskussion!?

Die Realität ist leider: Grün/Schwarz hat gerade die Mehrheit und setzt die autofreie Zone durch, weil sie es können.
Es wird nicht einmal mehr der Anschein erweckt, als ob noch irgend etwas ergebnisoffen wäre.

Damit fällt Grün/Schwarz im Übrigen deutlich hinter den Beschluss der Bezirksversammlung vom 28. März 2019 zurück. Hier heißt es unter Punkt 7 u.a.: „Um eine mögliche Verstetigung umzusetzen, muss ein umfassender und laufender Beteiligungsprozess der Ottenser*innen, der betroffenen Gewerbetreibenden, Gastronomen und Eigentümer während des gesamten Projektes stattfinden. Die Ergebnisse müssen umfassend dokumentiert werden.“

Nun – zwischen der Bürgerwerkstatt am 15.2.2020 und der vorgezogenen Bezirksversammlung am 20.2.2020 liegen lediglich 5 Tage. Dies macht es schlicht unmöglich, seitens der Verwaltung die Ergebnisse der Werkstatt für die Fraktionen zu dokumentieren und auf dieser Basis in den Fraktionen die Ergebnisse sachgerecht und angemessen zu beraten. Denn ein „Reallabor“ Ernst nehmen, heißt auch, offen zu sein für Anpassungen an den vorab festgelegten „Spielregeln“ von Ottensen macht Platz.

Als fachlichen Input für die zukünftige verkehrliche Gestaltung des Pilotquartiers hat die Initiative „Ottensen bewegt“ Eckpunkte eines Verkehrskonzeptes vorgelegt. Unser Konzept berücksichtigt alle Nutzungen und Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt im gesamten Quartier, anstatt ausschließlich auf „autofrei“ zu setzen. Denn auch „Ottensen bewegt“ erkennt die dringende Notwendigkeit einer Verkehrsminderung für unseren Stadtteil – für uns beinhaltet eine angemessene Veränderung allerdings ein umsichtiges Mobilitätskonzept, das echte Chancen im Sinne einer Verkehrswende zu bieten hat.

Unser Mobilitätskonzept findet sich gleich hier auf unserer Homepage.

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Die Initiative „Ottensen bewegt“ möchte Anwohnern und Gewerbetreibenden, die von den Auswirkungen des Projekts „Ottensen macht Platz“ unmittelbar betroffen sind, eine Stimme geben.

Auf unserer Plattform sind Anwohner und Gewerbetreibende dazu eingeladen, Ihre Erfahrungen und Meinungen zum laufenden Projekt zu veröffentlichen.

Auch „Ottensen bewegt“ erkennt die dringende Notwendigkeit einer Verkehrsminderung für unseren Stadtteil!

Für uns beinhaltet eine angemessene Veränderung allerdings ein umsichtiges Mobilitätskonzept.

Anstatt ausschließlich auf „autofrei in drei Straßen“ zu setzen, fordert „Ottensen bewegt“ ein Mobilitätskonzept, das alle Nutzungen und Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt im gesamten Quartier berücksichtigt.

Wir wünschen uns damit ein Konzept, das echte Chancen im Sinne einer Verkehrswende zu bieten hat.

Der Politik lagen schon vor Projektbeginn Konzeptvorschläge von verschiedenen Ideengebern dazu vor.

Wir möchten, dass die Konflikte zwischen einzelnen Verkehrsteilnehmern reduziert werden, und dass die Lebens- und Arbeitsbedingungen für Anwohner und Gewerbetreibende nicht unnötig eingeschränkt werden.

Wir wünschen uns auch in Zukunft, in einem lebendigen Quartier leben und arbeiten zu können – mit einem unterstützenswerten Mix aus Wohnungen, Geschäften, Handwerksbetrieben, Gastronomie, Ärzten und mehr.

Ottensen-bewegt_Eckpunkte-neu

Hier geht es zu unseren weiteren Forderungen!

Wohl eine Verzweiflungstat des Bezirksamts Altona auf „Rädern“, um dem Stadtteil etwas mehr „Leben” einzuhauchen. Was das wohl für Gelder (und wessen) verschlungen haben muss, um diese Holzkisten zu realisieren, die innen mit dickem Plastik ausgeschlagen sind? Wie viele Bäume mussten ihr Leben lassen, um als Abstellfunktion von Plastiktüten und Putzmittel herzuhalten? Ich hätte die „gefällten” Bäume lieber als ganze Bäume einpflanzen lassen. Dafür vielleicht ein paar Pflastersteine geopfert, um den Raum für die Pflanzen zu schaffen, denn Parkplätze gibt es ja nun nicht mehr … (Foto und Text: Anwohnerin M. Stüber)

Neues Zonenmobiliar (Foto: Klaus Mensing)

Straßen verschönert? – (Foto: Kader Haydaroglu)
Großes Chaos heute gegen 14:40 Uhr an der Ecke Hohenesch/Bahrenfelder Straße:
Der Bus kann wegen falsch geparkter Autos nicht mehr abbiegen. Folge: riesiger Rückstau.
Welche Schlüsse mögen die klugen Leiter des Reallabors daraus ziehen? Gar dass der Verkehr sich in umliegende Straßen verlagert, wenn Teile anderer Straßen gesperrt werden? Das wäre dann allerdings eine Folgerung auf einem erstaunlichen kognitiven Niveau.
Gruß
Reinhard Sooß
(Text und Foto)
Ottenser Hauptstraße am 22.9.2019 um 11:50 Uhr bei schönstem Wetter. Eigentlich sollte um diese Uhrzeit ein “Gemeinsames Frühstück in der Ottenser Hauptstraße” (nicht die Personen rechts an den Tischen in der “Reisebar”) stattfinden – von Ottensen macht Platz (Bezirksamt Altona) organisiert. Der Event wurde aber erst am 19.9. auf der Website von Ottensen macht Platz gepostet. Ein schaurig-schönes Beispiel für Ottensen bewegt, wie intransparent und stark optimierbar die Bezirksamt-Informationspolitik im Zusammenhang mit dem Projekt ist, um Anwohner, Bürger und Gewerbetreibende wirklich mitzunehmen.
Das NDR Journal zu Besuch in Ottensen am 10.9.2019
Aktuelle Parkplatzsituation in den kleinen, aktuell stark zugeparkten Straßen in Ottensen: “Wendehammer im Piependreiherweg (Feuerwehrzufahrt!), in dem sich nun zu nahezu allen Tages- und Nachtzeiten die Autos drängen” – Foto und Text: Reinhard Sooß (6.9.2019)

Brief einer Ottenserin: “Ich wohne seit 27 Jahren in Ottensen und noch nie wurde dieser Stadtteil so zerrissen” (einfach auf Text klicken).

Ottensen bewegt - Ottenser Straße am 3.8.2019

Ottensen bewegt-Interview mit Robert Jarowoy
Genauso wie die AnwohnerInnen im Vorfeld und bis heute nie befragt wurden, wird die Evaluierung darin bestehen, dass festgestellt werden wird, dass „alle“ das Projekt toll finden – Interview mit Robert Jarowoy, dem einzigen Lokalpolitiker in Altona, der auch Anwohner im neuen Flanierquartier in Ottensen ist, in unserer neuen Rubrik “Originalstimmen” (einfach auf diesen Text klicken).

Das Ende eines Zebrastreifens? (2.9.2019 – Foto: Hein-Behrens)

Bitte unterstützt uns auch durch freiwillige Beiträge. Unser Ringen um vernünftige Verhältnisse kostet neben dem hohen Zeitaufwand (unentgeltlich) auch viel Geld.

Kontodaten:
Ottensen bewegt – Anette Kaiser-Villnow
Dt. Apotheker- und Ärztebank
DE 30 3006 0601 0301 2984 96

Kontoinhaberin ist eine der zwei Sprecherinnen Anette Kaiser-Villnow. Kontoprüferin ist die stv. Sprecherin Dr. Ina Licari.

(Letzte Aktualisierung der Website: 19.1.2020)